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Aktuelle Anerkennungspraxis ausländischer Berufsabschlüsse im Rettungsdienst durch das SRK

Im Zuge der Umsetzung des eidgenössischen Berufsbildungsgesetzes wurde das Verfahren zur Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse der nicht universitären Gesundheitsberufe vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) angepasst. Ab dem 01.01.2008 sind Änderungen in Kraft getreten, welche sich durch die Einführung von Bildungsgängen bzw. Studiengängen an Höheren Fachschulen (HF) und Fachhochschulen (FH) ergeben haben.

Für die nichtärztlichen Berufe im Gesundheitswesen ist seit 2008 das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innofvation (SBFI) zuständig. Mit Inkrafttreten des Rahmenlehrplanes zum Dipl. Rettungssanitäter HF und der eidgenössischen Berufsprüfung zum Transportsanitäter, kurz BP TS, liegt die Zuständigkeit für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse formal beim BBT.

Wegen seines grossen Know-hows in den Gesundheitsberufen ist das SRK bis 2012 nach Artikel 75 BBV mandatiert worden, um unter anderem die Anerkennungsgesuche ausländischer Rettungsdienstmitarbeiter zu bearbeiten. Bereits im letzten Jahr, noch vor dem Inkrafttreten des Rahmenlehrplanes zum Dipl. Rettungssanitäter HF, haben wir auf unserer Webseite www.vrs-asa.ch über die sich ändernde Anerkennungspraxis informiert.

Die VRS und das Forum Berufsbildung im Rettungswesen (Forum BB RW) sehen es als notwendig an, nun weiter über den aktuellen Stand zu informieren.

Im letzten September fand eine konsultative Sitzung zwischen dem Forum BB RW (nationale Fach-OdA Rettungswesen) und dem SRK zusammen mit dem EU Koordinator des BBT statt. In dieser Sitzung wurde das Forum BB RW um eine Stellungnahme bezüglich der Anerkennungspraxis gebeten. In den Gesprächen mit dem BBT und dem SRK wurden die Ausgangslage der Anerkennungsgesuche und die Unterschiede der verschiedenen ausländischen Berufsabschlüsse im Vergleich zum Rahmenlehrplan Dipl. Rettungssanitäter HF und der Berufsprüfung Transportsanitäter näher diskutiert. Die Anwesenden waren sich einig, dass nicht alle ausländischen Abschlüsse für eine Anerkennung auf Gleichwertigkeit in Frage kommen. Hiervon betroffen sind vor allem Gesuche aus Frankreich und Österreich.

Der EU Koordinator des BBT hielt fest, dass nach dem Freizügigkeitsabkommen 3, welches die Schweiz unterzeichnet hat, jeder Schweizer Rettungssanitäter in allen EU-Ländern praktizieren darf und umgekehrt alle Angehörigen dieser Mitgliedsstaaten. Wenn jedoch in der Ausbildung substantielle Unterschiede vorliegen, kann der zuständige Staat ein Ausgleichsverfahren verlangen, so auch die Schweiz.

Das SRK hatte dies bereits Anfang 2008, noch vor dem Inkrafttreten des Rahmenlehrplanes angekündigt. Die zuständige Stelle beim SRK hat nun für dieses Ausgleichsverfahren zwei Deutschschweizer Schulen mandatiert. Es ist dies das Medi, Zentrum für medizinische Bildung, Rettungssanität in Bern und die Fachschule von Schutz und Rettung in Zürich. Sie sollen zukünftig Ausgleichsmassnahmen im Auftrag vom SRK anbieten.

Für einen Gesuchsteller z.B. aus Deutschland gibt es zukünftig zwei Möglichkeiten das Anerkennungsverfahren mit einer Ausgleichsmassnahme zu durchlaufen.

1. Er meldet sich zur Eignungsprüfung an einer der zwei Fachschulen an

2. Er durchläuft eine Zusatzausbildung (ZAB) mit integrierten Prüfungen und Lernerfolgskontrollen.

Der Antragsteller darf selber wählen, welche Ausgleichsmassnahme er absolvieren möchte. Anschliessend werden die Ergebnisse aus dem Kurs oder der Prüfung an das SRK weitergeleitet. Dort wird weiter über das Anerkennungsverfahren entschieden.

Verweigern kann man die Anerkennung, wenn:

  • die ausländische Ausbildung einen viel tieferen Standard ausweist
  • der Migrant kein Recht hat, seinen Beruf in seinem Ursprungsland auszuüben
  • der Migrant die Prüfungen nicht besteht.

Ansonsten hat die Schweiz eine obligatorische Anerkennungspflicht.

Die grösste Interessentengruppe bilden Kollegen aus Deutschland (jährlich ca. 50-70 Gesuche). Da die Ausbildungsdauer von Deutschen Rettungsassistenten geringer ist, als die der Schweizer Ausbildung  (2400 Stunden versus 5600 Stunden), besteht hier gewisser Zweifel im Erreichen der in der Schweiz benötigten Kompetenzen. Die Praxis zeigt, dass die Begriffe „Kompetenz“ und „Lerninhalte“ häufig falsch verstanden werden und es deshalb in der Diskussion um die Äquivalenz beider Ausbildungen Missverständnisse gibt. Leider wurden bisher im deutschen Rettungsassistentengesetz keine Kompetenzen beschrieben, wie dies im Rahmenlehrplan zum Dipl. Rettungssanitäter HF der Fall ist.

Ein Vergleich, inwieweit die Rettungsassistentenausbildung äquivalent zur Schweizer Ausbildung ist, kann im Moment nur auf Basis des Stundenumfangs und der festgelegten Ausbildungsthemen erfolgen. Die Rettungsassistentenausbildung unterliegt zudem starken regionalen Unterschieden, da ein nationales Curriculum noch nicht vorhanden ist. Dies erschwert einen 1:1 Vergleich. Unterschiede gibt es auch in den Zulassungsbedingungen zur Ausbildung. In Deutschland reicht ein Abschluss der Sekundarstufe 1 als Zulassung zur Rettungsassistentenausbildung. In der Schweiz hingegen muss ein Abschluss auf Sekundarstufe 2 vorgewiesen werden können.

Die tatsächliche Qualifikation unter den Gesuchstellern ist sehr heterogen. Sie reicht vom Rettungsassistenten mit abgebrochenem Medizinstudium bis hin zum Rettungsassistenten mit gerade abgeschlossenem Anerkennungsjahr ohne Berufserfahrung.

Der Interverband für Rettungswesen (IVR) fordert von IVR anerkannten Rettungsdiensten eine minimale Fahrzeugbesetzung mit mindestens einem Dipl. Rettungssanitäter. Dies ist mit einem ausländischen Arbeitnehmer nur möglich, wenn dieser durch das SRK anerkannt wurde.

Wichtig im Verständnis um die Anerkennungspraxis ist, dass das SRK diese Ausgleichsmassnahme nicht als Schikane ausländischer Antragsteller eingeführt hat, sondern um Probleme ungleicher Kompetenzniveaus verschiedener ausländischer Berufsabschlüsse zu lösen. Völlig unklar ist, inwieweit eine fehlende SRK Anerkennung das Recht auf Berufsausübung in der Schweiz tangiert. Auch ist unklar, ob und unter welchen Bedingungen ärztliche Massnahmen delegiert werden können, wenn eine SRK Anerkennung nicht vorhanden ist.

Darf nun ein anerkannter deutscher Rettungsassistent den Titel Dipl. Rettungssanitäter HF führen? Diese Frage hat in der Vergangenheit auch das SRK sehr unterschiedlich gehandhabt und bis vor gut einem Jahr noch die Genehmigung der Titelführung Dipl. Rettungssanitäter HF für Rettungsassistenten bestätigt.

Aktuell gilt jedoch:

Nach der Anerkennung durch das SRK dürfen sich deutsche Rettungsassistenten in der Schweiz „Rettungssanitäter“ nennen; aber nicht den Ausbildungstitel „Dipl. Rettungssanitäter HF“ tragen. Der Titel ist in der Schweiz geschützt. Sie dürfen weiter den Berufstitel ihres Heimatlandes mit Herkunftsnachweis benutzen. Für Rettungsassistenten z.B. Dipl. Rettungsassistent (D)Das SRK möchte die derzeitigen Verfahren und Ausgleichsmassnahmen Ende 2009 weiter evaluieren und im 2010 neu entscheiden in welcher Form diese Praxis weitergeführt werden kann.Die VRS nimmt an, dass das Forum-BB-RW über weitere Veränderungen vom SRK informiert wird.